Das Hinterland der verführerischen Urlaubsinsel Sardinien lockt ganz besonders nach dem heißen Sommer mit seinen jahrtausendealten Kulturlandschaften; die Ausstellung „Marmilla“ im Inselinneren verschafft einen eindrucksvollen Überblick

Mit selbst im Winter milden Temperaturen ist Sardinien eine der Feriendestinationen, die das ganze Jahr über eine Reise lohnen. Und gerade das Hinterland lockt selbst nach der Sommerhitze zu einem Besuch. Sardiniens Landschaften sind wild, reizvoll, manchmal rau und immer voller kultureller Schätze. Hier kann man die Schönheit der Natur und die Geschichte mit Händen greifen. Wer im Mietwagen durchs Landesinnere fährt oder sich per Rad oder wandernd auf Entdeckungstour begibt, stößt überall auf atemberaubend schöne Naturszenerien, malerische Dörfer, mittelalterliche Burgen und imposante prähistorische Bauten.
So auch in der Marmilla. Die Region im südlichen Zentrum der Insel präsentiert sich wild-romantisch und lässt den Besucher das Auge in die Ferne schweifen: über saftige Getreidefelder, aus denen sich auf malerischen Hügeln alte Burgen und die weltberühmten Wahrzeichen der Insel Sardiniens erheben: die Nuragen. Und so heißt denn die Ausstellung, die vom 14. September noch bis zum 31. Januar einen Schlüssel zum Erleben dieser Kulturlandschaft bietet auch „Marmilla. Nuraghi e castelli nelle terre del grano“, also „Marmilla. Nuragen und Burgen im Land des Getreides“. Organisiert wird die Ausstellung von der Fondazione Barumini Sistema Cultura und den Dörfern der Region, Barumini, Las Plassas, Sanluri, Villanovaforru und Villanovafranca. Eigens für die Ausstellung werden bedeutende archäologische Exponate sardischer Museen im Kulturzentrum „Giovanni Lilliu“ in Barumini zusammengetragen.
Wer auch außerhalb des Musealen erleben will, wie die Geschichte regelrecht aus dem sardischen Boden sprießt, dem sei ein entspannter Spaziergang durch die gastgebenden Örtchen empfohlen. So erheben sich über Las Plassas die majestätischen Reste einer mittelalterlichen Burg auf einem zuckerhutförmigen Hügel, von dem man ein phantastisches Panorama über die Felder der Marmilla genießen kann. Sanluri bezaubert mit seinem mittelalterlichen Flair voller Gassen, die um die Bug aus dem 13. Jh. entstanden sind. In Villanovaforru lassen sich die eindrucksvollen Turmbauten in der Nurage Genna Maria aus dem 13. Jh. v. Chr bestaunen. Auch Villanovafranca, das für seinen exquisiten Safran mit geschützter Ursprungsbezeichnung DOP bekannt ist, wartet mit einer eindrucksvollen Nurage aus der frühen Eisenzeit auf, su Mulinu, in der ein wunderschönes Bildnis der Mondgöttin Luna gefunden wurde.
Die vielleicht bekannteste Nurage, su Nuraxi, findet sich am Rande von Barumini. Über einen Zeitraum von 2000 Jahren, zwischen dem 16. Jh. v. Chr. bis ins 7. Jh. n.Chr. wurden hier Basaltblöcke zu einer einmaligen Anlage geschichtet, die 1997 als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. In imposanten massiven Blöcken erheben sich runde Türme und geschwungene Mauern aus uralter Vorzeit aus dem Boden, die bezeugen, dass hier schon immer ein reges soziales Leben herrschte. Es war der aus Sardinien stämmige Prähistoriker und Archäologe Giovanni Lilliu, der mit seinen systematischen Erforschungen der su Nuraxi 1955 begann und die Theorien der vorantiken Kulturen der Insel maßgeblich begründete.
Und dies macht einen besonderen Charme der Insel aus, gerade für den Urlauber, der mehr sucht als ausschließlich Strandfreuden. Wer durch Sardinien reist, stößt mehr noch als auf die römischen Hinterlassenschaften auf die Zeugnisse der mythischen Zeit davor. Unter dem mediterranen Himmel liegen unendlich viele Nuragen verteilt, teils in großen Komplexen, teils hier und da wie Sprenkel in der faszinierenden weiten Landschaft verteilt, ebenso Menhire, Dolmen, sogar heilige alte Brunnen und gigantische Grabstätten. Sie gehören zur abwechslungsreichen Landschaft dazu. Viele sind frei zugänglich, und alle geben einem auf Schritt und Tritt das Gefühl, in Sardinien an einem ganz besonderen Ort zu sein.
Weitere Informationen sind zu finden unter

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